LITHIUM

 

Ich pflanze einen Zitronenbaum

meinem Freunde, dem Kind, dem Genie

Am Stamme, da darf er ermatten

Die Blätter spenden ihm Schatten

Mit Früchten will ich ihn wecken

Süße zu träumen und Säure zu schmecken

Kein Kummer ist nutzlos, nie.

 

Klein war die Welt, jetzt wird sie groß für ihn und öffnet ihre Arme. Arthur rennt. Er rennt und rennt, weg von Mutter und Vater. Er entdeckt Tabletten gegen die Enge, Strenge, Halle und gegen die Angst. Er träumt und er tanzt. Er kifft und er flippt, er säuft und er trippt. Kurz glaubt er, die Schönheit zu fassen in einem winzig kleinen Moment. Größenwahn, Irrsinn, Delirium, dann stürzt er ins Firmament. Jetzt rennt er nicht mehr, er fliegt. Sein Geist fliegt. Hoch und immer höher, fliegt auf einem Mistkäfer, fliegt nicht in den Himmel der Hellsichtigen, sondern stürzt in die Täler des Stumpfsinns.

 

Arthur besinnt sich. Er schießt jetzt nicht mehr in die Venen, er schießt Wissen direkt in sein Hirn. Schopenhauer, Nietzsche, Kant, Marx. Fremde Gedanken zuerst, dann eigene. Sein Geist reist. Weit und weiter, reist bis zu den Sternen. Er fliegt. Hoch und immer höher, fliegt auf einem Mistkäfer, fliegt nicht in den Himmel der Philosophen, sondern stürzt in die Hölle der Klarsicht. In elegantem Sturzflug gleitet er über Abu Ghraib und Gomorra und grelle Einkaufs- zentren im Wüstensand, erbaut aus der Asche von Pharaonen, die Würde der Massen in Scherben und über die Ruinen einer Zivilisation, die einmal seine gewesen ist.

 

Arthur stirbt, zumindest glaubt er es. Er liegt auf einer Bank, ihm ist kalt, aber er kann sich nicht rühren. Tremor. Rumor. Leukozytose. Lithium – ein Antidepressivum, das nicht nur den Schmerz, sondern das Leben gleich endet? Ein Scherz? Er will lachen, aber er kann sich nicht rühren.

 

Jemand fand ihn am Boden. Lithium. Jemand gab ihm zu trinken. Lithium. Jemand glaubt ans Vergessen. Lithium. Die Zeit hat ein Loch. Es heißt Lithium.

 

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A story about a boy who wants to escape the stifling world of his childhood and adolescence, first by taking drugs, then by accumulating knowledge. The wisdom he collects frees him from sedation and seduction, but seeing the world‘s decay makes him fall into a deep depression. One day he takes an overdose of lithium from which he nearly dies.

 

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